Corona

Rebound-Effekt nach Anti-COVID-Pille

Geschrieben von Laura Koseak | Jul 7, 2022 4:00:00 PM
Versagt der Hoffnungsträger Paxlovid?

Nach den bahnbrechenden Ergebnissen der klinischen Studie war klar: Paxlovid wird ein Game-Changer in der COVID-Medikation sein. Doch verdient es diesen Ruhm überhaupt? Es gibt mittlerweile schon mehrere Berichte aus den USA von Personen, bei denen das Corona-Medikament zunächst half aber sie dann kurz darauf doch wieder positiv auf das Coronavirus getestet wurden. Der ubumask-Blog erklärt, wie es zu dem sog. Rebound-Effekt kommen kann.


Paxlovid – DAS Medikament gegen COVID

Erst groß gefeiert, aktuell viel diskutiert: Paxlovid. Das Medikament stellt bisher eine der wirksamsten Möglichkeiten dar, um eine bereits infizierte Person vor einem schweren Verlauf zu schützen. Kurz gesagt: es rettet Leben. Bei Hochrisiko-Patienten schützt Paxlovid zu ca. 90 Prozent präventiv vor Krankenhausaufenthalten und Todesfällen. Darüber verringert das Medikament auch bei einer infizierten Person ohne Vorerkrankung und mit normalem Risiko die Zahl der Krankenhausaufenthalte um etwa 70 Prozent. Um einen besonders hohen Schutz zu gewährleisten, muss das COVID-Medikament innerhalb der ersten drei Tage nach Beginn der Krankheitssymptome eingenommen werden. Doch auch wenn Therapiebeginn innerhalb der ersten 5 Tage war, könne noch ein Schutz von 88 Prozent erreicht werden. Eine aktuelle Untersuchung belegt, dass das Medikament auch während der Omikron-Welle wirksam war. Bei den Über-65-Jährigen konnte das Sterberisiko um 81 Prozent und das Risiko der Hospitalisierung um 67 Prozent gesenkt werden. Die Preprint-Analyse zeigt aber auch, dass jüngere Erwachsene nicht signifikant davon profitierten, wenn es um das Verhindern eines schweren Verlaufs ging.


Rebound-Effekt: Das Virus kehrt zurück

Bereits mehrere Berichte aus den USA geben Grund zur Sorge. Mehrere Personen, die mit Paxlovid behandelt wurden, waren innerhalb von etwa fünf Tagen erneut positiv auf Corona getestet worden. Dieses Phänomen nennt man den sogenannten Rebound-Effekt, in diesem Fall ein COVID-19-Rebound. Dieser ist gekennzeichnet durch ein Wiederauftreten der Symptome oder einen neuen positiven Virustest nach einem negativen Test. Das heißt, die Wirkung des Medikaments lässt manchmal zu früh nach. Eric Feigl-Ding, früherer Harvard-Professor, wies schon letzten Monat darauf hin, diesen Effekt nicht zu unterschätzen. Auch Mediziner der Centers for Disease Control and Prevention (CDC) warnten, dass COVID-19 nach Paxlovid erneut auftreten könne. In den US-amerikanischen Fallberichten wurden einige Patienten mit normaler Immunantwort für fünf Tage mit dem Anti-COVID-Medikament behandelt. Zwei bis acht Tage später erkrankten sie dann noch einmal. Darunter waren auch Geimpfte und Geboosterte. Auch wenn es derzeit wenige Daten gäbe, deute viel darauf hin, dass der Rebound-Effekt nach Paxlovid nur leichte Symptome verursache. Auch bestand nicht die Notwendigkeit nach einer zusätzlichen Behandlung mit Paxlovid oder anderen Medikamenten.


Für wen Paxlovid geeignet ist

Sind die Rebound-Effekte nun Grund genug, um auf den Einsatz der Anti-COVID-Pille zu verzichten? Man erhoffte sich schon von Anfang an Großes von Paxlovid, dabei war es für Mediziner eher ein „Notnagel“. Ein Grund dafür: die enthaltenen Wirkstoffe Nirmatrelvir/Ritonavir vertragen sich mit vielen anderen Medikamenten nicht. Und auch die Liste der Kontraindikationen, also unter welchen Umständen Paxlovid nicht angewandt werden darf, ist lang. Könnten dies Gründe dafür sein, dass es in Deutschland nicht so gefeiert wird? Das deutsche Bundesgesundheitsministerium hat das Medikament für eine Million Patienten bestellt, verschrieben worden sind davon bisher nach Recherchen der „Welt“ aber nur 17.200 Dosen. Eingesetzt werden soll Paxlovid nach wie vor zur Behandlung von leichtem bis mittelschwerem COVID-19 im Frühstadium bei Personen mit hohem Risiko für einen schweren Verlauf. Konkret empfiehlt das Robert Koch-Institut (RKI) den Einsatz bei ungeimpften/unvollständig geimpften Patienten mit mindestens einem Risikofaktor für einen schweren COVID-19-Verlauf. Bei sehr hohem Risikoprofil könnten es auch bei jemandem mit vollständiger Impfung in Erwägung gezogen werden.



Viele verschiedene Hypothesen für COVID-Rebound

Experten haben bisher noch keine eindeutige Erklärung, wieso COVID-19 nach so kurzer Zeit wieder zurückkommt. Eine Hypothese ist, dass sich Menschen einfach schnell hintereinander mit verschiedenen Varianten von SARS-CoV-2 anstecken. Wie wir wissen, nehmen die Fälle derzeit wieder zu und auch das Virus mutiert sehr schnell. Dadurch kann es sein, dass die neue Variante durch ihre Mutation einen Weg entwickelt hat, Paxlovid zu entkommen und resistent dagegen zu werden. David Ho, ursprünglich HIV-Forscher, hält eine andere Erklärung für plausibel. Laut seiner Analyse handelt es sich bei der Rebound-Infektion um keine neuen Stämme oder neue Paxlovid-resistente Varianten. „Es ist keine erneute Infektion mit einem anderen Virus. Die Abläufe sind identisch.“ Auch der Infektiologe Bernd Salzberger hat eine mögliche Theorie. Laut ihm sei ein Mittel allein in manchen Fällen einfach zu wenig, um einen Erreger langfristig zu bekämpfen. Ihm zufolge könne es auch an der eventuell geschwächten Immunabwehr der Patienten liegen. Ralf Bartenschlager, Leiter der molekularen Virologie am Universitätsklinikum Heidelberg und Präsident der deutschen Gesellschaft für Virologie, lieferte eine weitere Theorie: „Die Immunantwort benötigt recht lange, bis sie so stark ausgeprägt ist, dass die Infektion kontrolliert werden kann.“

Fazit

Woran es nun liegt, dass ein solcher Rebound-Effekt vorkommen kann, bleibt weiterhin ungeklärt. Es gibt jedoch immer mehr Argumente dafür, dass die Paxlovid-Behandlung besser länger als fünf Tage dauern sollte. Offizielle Empfehlungen dazu gibt es allerdings noch keine. Auch wenn das Medikament derzeit viele Menschenleben retten kann, so fordert Mediziner Eric Topol, dass schlagkräftigere Anti-Virus-Pillen entwickelt werden. Damit wir uns aber gar nicht erst anstecken, empfiehlt es sich eine gutsitzende und hochwirksame FFP2- bzw. Anti COVID-19 Maske zu tragen.