Corona

Immunität nach Omikron-Infektion - besserer Schutz als Impfung?

Geschrieben von Laura Koseak | Mar 15, 2022 5:00:00 PM

Ersetzt ein milder Omikron-Verlauf eine Impfung?

Es ist bekannt, dass die Omikron-Variante offenbar mildere Verläufe verursacht als Delta. Das bedeutet, dass Infizierte seltener schwer erkranken. Das ist doch etwas Positives, oder? Aber wie genau wirkt sich eine Omikron-Infektion auf den schützenden Antikörper-Spiegel aus? Neue Daten aus den USA liefern erste Ergebnisse.

 

Ist es klug, sich jetzt mit Omikron anzustecken?

Viele haben mittlerweile die Angst vor dem Virus verloren. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Omikron-Variante milder verläuft als Delta. Das kann man besonders daran erkennen, dass derzeit deutlich weniger COVID-Patienten im Krankenhaus behandelt werden als bei früheren Wellen – und das, obwohl sich die Infektionszahlen weiterhin ganz oben bewegen. Da eine Infektion meistens weniger schwer oder sogar asymptomatisch verläuft, überlegen manche, ob es nicht „praktisch“ wäre, sich jetzt mit der milderen Variante anzustecken. Ihre Logik: man würde ja trotzdem Antikörper entwickeln und eventuell sogar eine Immunität gegenüber anderen Varianten aufbauen können (Kreuzimmunität). Auch Impfgegner fühlen sich darin bestätigt, die Omikron-Infektion einer Impfung vorzuziehen. Doch ist das wirklich eine schlaue Art das Problem rund um die Immunität gegenüber Omikron und anderen Varianten zu lösen?

 

Antikörpertiter ist wichtiger Faktor für Verlauf einer Infektion

Nicht wirklich. Eine neue Studie aus den USA macht dieser Überlegung einen Strich durch die Rechnung. Die Forschenden wollten herausfinden, wie stark die Antikörpertiter nach einer durchgemachten Infektion bei Omikron im Vergleich zu Delta ansteigen. Zur Erklärung: Die Antikörpertiter geben an, wie viele neutralisierende Antikörper eine Person hat. Diese Titer entscheidet dann mitunter darüber, wie der Körper bei einer erneuten Infektion reagiert, etwa ob er das Virus gut neutralisieren und somit schnell bekämpfen kann oder nicht. Sie sind zwar nicht allein ausschlaggebend dafür, ob eine Person vor einer erneuten Infektion beziehungsweise einem schweren Verlauf geschützt ist, spielen aber eine große Rolle. Aufgrund dessen nutzt beispielsweise die Schweiz diese Titer als Grundlage des Genesenennachweises.

 

Weniger Antikörper nach leichtem-mittlerem Krankheitsverlauf

Die US-Wissenschaftler fanden heraus, dass die neutralisierenden Antikörper nach einer Infektion bei beiden Varianten gegen die jeweils andere anstiegen. Jedoch war „das relative Ausmaß des Anstiegs größer bei klinischen schweren Infektionen und gegen die spezifische Infektionsvariante“. Konkret bedeutet das genau zwei Dinge: Jemand, der nur einen leichten bis mittleren Infektionsverlauf hat, bildet dementsprechend auch weniger Antikörper. US-Physiker Yaneer Bar-Yam teilte diese Ergebnisse auf Twitter mit. „Menschen werden unmittelbar nach einer Omikron-Infektion erneut infiziert“, warnte er. Immer mehr Berichte weisen auf zweifache Omikron-Infektionen hin, jedoch ist die Studienlage noch relativ dünn. Außerdem ermittelten die Wissenschaftler, dass eine Booster-Impfung rund drei Mal so viele Antikörper hervorruft wie eine milde Omikron-Infektion bei vollständigen Geimpften.

 

 

Milde Omikron-Infektion schützt nicht vor Delta

Zum anderen ist eine Person, die Antikörper gegen Omikron entwickelt hat, nicht automatisch auch vor Delta geschützt, die Kreuzimmunität ist laut Wissenschaftlern begrenzt. Wenn eine Virus-Variante wie Omikron also generell vor allem milde Verläufe verursacht, dann besteht das Risiko auf eine Reinfektion weiterhin. „Zusammengenommen deuten unsere Ergebnisse darauf hin, dass die Omikron-induzierte Immunität möglicherweise nicht ausreicht, um eine Infektion durch eine andere, pathogenere Variante zu verhindern, falls sie in Zukunft auftreten sollte“, schreiben die Autoren der Studie. „Insgesamt ist die Immunität gegen eine Omikron-Infektion viel geringer als die Immunität gegen eine Delta-Infektion, was mit der Schwere der Infektion korreliert“, betont Phsyiker Bar-Yam. „Wenn Sie also keine schwere Infektion mit all ihren Folgen bekommen, erhalten Sie auch keine Immunität gegen eine andere Infektion.“

  

Fazit

Diese Erkenntnisse sind besonders wichtig, da Experten fürchten, die Delta-Variante könne noch einmal zurückkehren. Virologen und Epidemiologen zweifeln mittlerweile daran, dass das Corona-Infektionsgeschehen nach der Omikron-Welle in einen endemischen Zustand übergeht. „Es ist absolut möglich, dass nach dem Abflachen der aktuellen Welle Delta zurückkommt“, sagte Ulrike Protzer, Leiterin des Instituts für Virologie an der TU München. „Wir können nicht sicher sein, dass Omikron Delta ablöst.“ Sich jetzt mit Omikron anstecken zu wollen ist also keine gute Idee. Stattdessen lieber der Griff zur Maske (FFP2- bzw. Anti COVID-19 Maske), die in dieser Pandemie zu den besten Maßnahmen gehört, um sich vor einer Infektion zu schützen.