Corona

Studie aus den USA: Sind 5 Tage Isolation zu kurz?

Geschrieben von Laura Koseak | Nov 2, 2022 5:00:00 PM

Wie lange sind Omikron-Infizierte tatsächlich ansteckend?

Wenn man sich mit Omikron angesteckt hat, muss man sich gerade mal 5 Tage lang in Isolation begeben, um seine Mitmenschen zu schützen. Doch reicht diese Zeit aus, um weitere Ansteckungen zu verhindern? Eine neue Analyse aus den USA zweifelt an der Isolations-Dauer. Zuvor war dieser Zeitraum noch doppelt so lang. Doch welcher Zeitraum ist tatsächlich angemessen? Der ubumask-Blog klärt auf.

 
Isolation vs. Quarantäne - wann gilt was?

Wichtig ist zuallererst den Unterschied zwischen Quarantäne und häuslicher Isolation zu klären. Eine Quarantäne ist eine zeitlich begrenzte häusliche Absonderung von Personen, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht. Hierbei handelt es sich jedoch nicht um eine Pflicht, sondern um eine dringende Empfehlung. Hingegen müssen Personen, bei denen eine Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 mittels positivem Antigen-Schnelltest oder PCR-Test nachgewiesen wurde, in Isolierung. Diese Maßnahme ist behördlich angeordnet und besteht für mindestens fünf Tage. Gezählt wird in der Regel ab dem Tag nach dem ersten positiven Testergebnis. Die häusliche Isolation kann ab dem 5. Tag verlassen werden, jedoch wird dringend empfohlen, nach dem fünften Tag wiederholt einen Schnell- oder Selbsttest durchzuführen und in Isolation zu bleiben, bis der Test negativ ist.

 

Zweifel an der verkürzten Isolations-Dauer

Seit das Robert-Koch-Institut (RKI) im Mai dieses Jahres neue Leitlinien zur Bekämpfung der Pandemie veröffentlichte, müssen sich Corona-Infizierte nur noch fünf Tage lang in Isolation begeben. Diese Änderung begründeten Gesundheitspolitiker unter anderem damit, dass sich die Saison der Atemwegserkrankungen „dem Ende“ nähere, erklärte etwa Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek. Jetzt, fast ein halbes Jahr nach dieser Änderung, geht der ganze Spaß wieder von vorne los. Ein Blick auf die täglichen Neuinfektionen reicht aus, um zu erkennen, dass eine neue Saison begonnen hat. Doch nicht nur die aktuelle Lage lässt an der verkürzten Isolations-Dauer zweifeln. Eine neue Analyse verdeutlicht zudem, dass viele Omikron-Patienten deutlich länger als fünf Tage ansteckend sind.

 
Analyse: Omikron-Patienten länger infektiös als 5 Tage

Der Anlass für die Analyse der US-Forscher war die Ankündigung der amerikanischen Gesundheitsbehörden (CDC), auch dort die Dauer der Corona-Isolation auf fünf Tage zu verkürzen. Infolgedessen nahmen sie die Daten von insgesamt 66 Personen, die sich zwischen Juli 2021 und Januar 2022 mit dem Virus infizierten, genauer unter die Lupe. 32 davon hatten sich mit Delta und die restlichen 34 mit der Omikron-Variante BA.1 angesteckt. Bis auf einen Teilnehmer zeigten alle Personen Symptome. Die Forscher untersuchten, wie viele Tage zwischen dem initialen positiven PCR-Test und dem später negativen PCR-Test lagen. Das Ergebnis: die durchschnittliche Zeit in der Delta-Gruppe betrug vier Tage (zwischen drei und fünf Tagen) und in der Omikron-Gruppe betrug fünf Tage (zwischen drei und neun Tagen). Beide Gruppen liegen also im Durchschnitt in den fünf Tagen, jedoch wird auch deutlich, dass Personen der Omikron-Gruppe teilweise deutlich länger, nämlich bis zu neun Tage lang, infektiös waren. Das spreche also deutlich gegen die neue CDC-Richtlinie, interpretiert US-Mediziner Eric Topol auf Twitter die Studienergebnisse - und damit auch gegen die des RKI.

 

Studie zeigt, wie wichtig freiwilliges Testen ist

Auch wenn diese Analyse mit ihren 66 Teilnehmern eher als klein eingestuft werden kann und nur eine geringe Anzahl von Teilnehmern betroffen ist: es stellt sich heraus, dass viele Omikron-Patienten nach fünf Tagen noch nicht wieder Kontakt zu anderen Menschen haben sollten. Das vom RKI und auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach „dringend empfohlene“, aber grundsätzlich freiwillige Testen am Ende der 5 Tage, wird damit umso relevanter. Infizierte mit nachweislich positivem Test sollten sich beginnend mit dem fünften Tag wiederholt mit Schnelltests testen - so lange, bis der Test negativ ist. Dennoch kritisiert die Deutsche Stiftung Patientenschutz diese Regelungen. „Eine Freitestung von medizinisch-pflegerischem Personal auch durch Bürgertests darf es nicht geben“, sagt Vorstand Eugen Brysch. Millionen Menschen, die der Risiko-Gruppe angehören, bräuchten Schutz und Sicherheit. „Sie dürfen nur von nichtinfektiösen Menschen versorgt werden. Ein Schnelltest kann das nicht garantieren.“ Daher sei bei allen mit Kontakt zu Pflegebedürftigen und Kranken eine PCR-Freitestung nötig.

 

Fazit

Ob 5 Tage Isolation nun angemessen sind oder nicht, bleibt weiterhin umstritten. Klar ist, dass die dringende Empfehlung, sich ab dem 5. Tag wiederholt zu testen und auf ein negatives Ergebnis zu warten, bevor man die Isolation verlässt, unbedingt wahrgenommen werden sollte. Des Weiteren ist es auch empfehlenswert, eine FFP2- bzw. Anti COVID-19 Maske zu tragen, selbst nach negativem Testergebnis. Studien haben bereits mehrfach gezeigt, dass Schnelltests eine Infektion häufig nicht erkennen, vor allem wenn es sich dabei um die Omikron-Variante handelt. Mehr darüber kann man in diesem Blog hier lesen.