Harvard-Studie: Omikron ist so tödlich wie Delta.

Eine neue Harvard-Studie ist zu erschreckenden Ergebnissen gekommen

Ist Omikron tatsächlich gefährlicher als angenommen?

Omikron verläuft milder. Dieser Satz hat uns trotz der Höchstwerte im letzten halben Jahr Hoffnung gespendet. Ja, Omikron ist laut Daten infektiöser und entkommt auch dem Impfschutz zumindest zum Teil. Aber man hatte grundsätzlich immer angenommen, dass eine Omikron-Infektion milder verläuft, als wenn man sich mit Delta ansteckt. US-Forscher zeigen nun in einer aktuellen Studie: Angeblich ist Omikron genauso tödlich wie Delta und andere Varianten.

 

Harvard-Forscher kommen zu erschreckenden Ergebnissen

Forscher aus mehreren Einrichtungen arbeiteten für die Untersuchungen zu dieser Studie zusammen. Die Wissenschaftler des Massachusetts General Hospital, der Minerva University, sowie der Harvard Medical School hatten die Daten von über 130.000 COVID-Patienten untersucht. Dabei handelt es sich um Personen, die zwischen Dezember 2020 und Februar 2022 mit Corona infiziert waren. Ihre Forschungsfrage: Ist Omikron tatsächlich milder als bisherige Varianten? Damit sie die Varianten so gut wie möglich miteinander vergleichen konnten, bereinigten sie bestimmte Störfaktoren, wie etwa die demografischen Merkmale (Alter, Geschlecht, Wohnort, Einkommen etc.), die Vorerkrankungen sowie den Impfstatus der Patienten. Nach der Analyse nun das Ergebnis: Das Risiko eines Krankenhausaufenthalts und die Sterblichkeit in den verschiedenen Wellen waren „nahezu identisch“. „Unsere Analyse legt nahe, dass der intrinsische Schweregrad der Omikron-Variante genauso schwerwiegend sein kann wie frühere Varianten“, schreiben die Wissenschaftler. Bei dieser Studie handelt es sich jedoch noch um eine Preprint-Ausgabe, sie wurde noch nicht von unabhängigen Experten bestätigt.

 

Variantenzuordnung hinkt womöglich

Der österreichische Statistiker Kristan Schneider hat sich die Studienergebnisse jedoch genauer angesehen. Er forscht seit vielen Jahren an Infektionskrankheiten, etwa Malaria. Seit Beginn der Corona-Pandemie liegt sein Schwerpunkt auf SARS-CoV-2. Er fasst zusammen: „Die Forscher behaupten, wenn man die Zahlen auf Alter, Impfung und Vorerkrankungen korrigiert, ist Omikron genauso gefährlich wie andere Varianten in Bezug auf die Sterblichkeit und Krankenhauseinweisungen“. Aber die Studie hat laut Schneider ein Problem. „Die Variantenzuordnung hinkt womöglich.“ Bei den Patienten, die in der Studie im Fokus standen, wären keine variantenspezifischen PCR-Tests durchgeführt worden. Stattdessen hätten die Wissenschaftler angenommen, dass sie mit derjenigen Variante infiziert waren, die in dem Zeitraum dominant war. „Das ist nicht korrekt und reicht, um die Ergebnisse zu verzerren“, kritisiert Schneider. Die Forscher hatten nicht berücksichtigt, dass es auch Monate gab, in denen beide Varianten noch Fälle verursachten, auch als Omikron bereits vorherrschend war. „Sprich: Alle Infektionen im Dezember und Januar wurden ohne Variantenbestimmung als Omikron-Infektionen gewertet.“

 

Omikron verläuft milder – mehrere Faktoren sind dafür verantwortlich

Dieser Fehler sei schwerwiegend und haben die Ergebnisse der Studie sehr wahrscheinlich beeinflusst. Laut dem Statistiker gibt es mehrere Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass die Omikron-Welle milder verlief als die Delta-Welle. Zunächst kann man sagen, dass sich immer mehr junge Menschen infizierten. Damit sinkt auch automatisch der Anteil der schweren Verläufe. Diese Verschiebung bei der Demografie in der Omikron-Welle war also der Grund für das Sinken der Hospitalisierungsrate. Eine weitere Rolle spielen die Booster-Impfungen. Während der Omikron-Welle waren bereits viel mehr Menschen geimpft. Besonders die Booster in der Risikogruppe haben einen signifikanten Unterschied zwischen der Omikron- und Delta-Welle gemacht. Nicht nur die Impfstoff-, sondern auch die Medikamentenforschung ist deutlich vorangeschritten. So gab es in der Omikron-Welle schon bessere Medikamente, sodass COVID-19 spezifischer behandelt werden konnte. Der vierte und letzte Faktor sei, dass Omikron weniger Kapazitäten bindet. Gemeint ist, dass die Omikron-Variante beispielsweise nicht so tief in das Lungengewebe eindringt, sodass ECMO-Therapien, also Behandlungen mit künstlichen Lungen, seltener notwendig sind. Da diese Therapien sehr aufwändig sind, benötigt der Patient oftmals ein ganzes Team an Personen, um richtig behandelt zu werden. Zum Vergleich: ein ECMO-Patient entspricht in etwa dem Aufwand von vier „normalen“ Intensivpatienten.

 


Fazit

Ja, die Daten der Studie sind ein wenig verzerrt, so Kristan Schneider. Jedoch gibt es auch wichtige Punkte, die dafürsprechen, dass äußere Umstände dazu beigetragen haben, dass die Omikron-Welle milder verläuft. Dazu zählen etwa Medikamente oder die Impfungen. Doch auch wenn Omikron harmloser erscheinen mag, können wir wenig über die Langzeitfolgen (Long COVID) einer Infektion sagen. Um uns also initial zu schützen, gilt weiterhin die Empfehlung, eine Anti COVID-19 bzw. FFP2-Maske zu tragen.